Gott zum Gruße und schönen Samstag, liebe Grantler.

Ich weiß, ich lasse momentan eher wenig von mir hören – könnte unter anderem daran liegen, dass ich einer weiteren Beschäftigung habhaft geworden bin, der ich inzwischen äußerst gerne nachgehe – worum es sich hierbei handelt, soll ein andermal erzählt werden.

Heute gibts keine richtige Geschichte, sondern vielmehr einen Pulk an kurzen Anekdoten im Rahmen eines Überbegriffs: Musik.

Auf die Idee bin ich vor zwei Wochen gekommen, als ich am Rückweg aus Oberösterreich zwischen Pöchlarn und Melk im Stau stand und versuchte, meinem in die Jahre gekommenen Autoradio einen zumindest marginal rauschfreien Sender abzuringen, um dem Verkehrsfunk zu lauschen, weshalb ich schlussendlich auf Ö3 landete.

Ich muss anmerken, dass ich Ö3 seit Jahren nicht mehr höre, da ich mich der akustische Folter, die sich aus Mainstream-Pop, behämmerten Moderatoren und Werbung in Überlänge zusammensetzt, nicht freiwillig aussetzen will. Zuhause und in der Arbeit läuft Radio Wien, im Auto manchmal Radio Arabella, da spielen sie zumindest gelegentlich die Achtziger oder etwas anderes, das bei heruntergelassenem Fenster an roten Ampeln zum Mitbrüllen und Passanten-Verstören einlädt.

Jetzt lief halt der Ö3 und ich konnte dem Verkehrsfunk entnehmen, dass irgendwo im Baustellenbereich eine Ölspur entfernt werden musste. So weit, so gut, ich hatte die Info die ich begehrte, und wollte schon wieder auf CD umschalten, als mich eine Art Motto hellhörig werden ließ: „Der Song deines Lebens“.

Im Zuge des 50-jährigen Bestehens des Radiosenders konnten die geneigten Hörer offenbar einige Zeit zuvor online abstimmen, mit welchem Song sie bestimmte Emotionen verbinden. Dieser wurde dann gelistet, und so ergab sich eine Top- 1000 (!)- Liste, die am Freitag nach Pfingsten um die Mittagszeit ihren Höhepunkt mit Platz 1 der meistgewählten Lieder finden sollte. Der Countdown lief Tag und Nacht, und dazu hatte man diverse bereits aus dem Dienst ausgeschiedene, ältere Moderatoren wieder an Bord geholt, um halbtags zu moderieren und Anekdoten aus ihrem Leben als aktive Ö3- Moderatoren wiederzugeben. Eingespielt wurden diverse Anrufe vom Publikum, die kurz erzählten, wieso das gewählte Lied eine Bedeutung für sie hat, was das Ganze doch eher persönlich gestaltete – zumindest persönlicher als der ganze Schund, der sonst immer auf diesem Sender läuft.

Man kann ja viel sagen, aber dieses Konzept fing an, mir zu gefallen. Etwas Ähnliches hatten wir zu Ostern auf 88,6 schon erlebt, weshalb da bei Panzers Geburtstagsfeier auch die ganze Zeit nur das Radio lief; ich glaube, es ging um die besten 500 Rock-Songs.

Als ich den Sender aufdrehte, war Ö3 gerade bei Platz 832.

Zur Folge hatte diese Aktion, dass ich die ganze Woche, bis Freitag zu Mittag, immer wenn es möglich war, den Radio aufgedreht hatte, um den gewählten Liedern zu lauschen: von Uralt- Gassenhauern, Neue Deutsche Welle, über Austropop bis hin zu Neunziger- Gedöns war alles vertreten, was sich das eigene musikalische Gedächtnis nur wünschen konnte, weshalb ich im Zuge der ganzen Erinnerungen, die selten gehörte, aber doch lieb gewonnene Lieder in mir evozierten, anfing, mir meine eigene Liste an Liedern auszudenken, und zwar jene Lieder, die seit einer langen Zeit mit ein und derselben Erinnerung verbunden sind. Zwar nicht aus meiner bevorzugten Musikrichtung, aber diese Lieder und die damit verbundenen Assoziationen entstanden schon, bevor ich anfing, dem Schwermetall zu fröhnen.

Die meisten dieser Erinnerungen sind lustiger oder schöner Natur, und zu manchen gibts ziemlich abgefahrene Geschichten, die ich mit lieben Leuten erlebt habe.

Jeder hat so einen Pool aus Erinnerungen, die mit einem bestimmten Musikstück verknüpft sind – auch ich versuche, manche davon gewaltsam wieder loszuwerden, indem ich sie mit einer anderen Erinnerung überlagern will oder sie so oft höre, bis sie totgespielt sind und nichts mehr auslösen; Spoiler: das funktioniert selten bis nie, weshalb ich mit manchen Liedern noch so meine liebe Not habe.

Ich denke aber, ich kann mich auf acht Lieder beschränken, wo selbige Erinnerung immer das Erste ist, das mir bei den ersten Takten dazu einfällt.

 

8.) Uriah Heep – Lady in Black

Hierbei handelt es sich tatsächlich um eine Erinnerung aus der Schulzeit, und nichts weiteres Diesbezügliches ist mit einer Form positiven Beigeschmacks verknüpft, weil es für mich einfach die beschissenste Zeit meines bisherigen Lebens war.

Jedenfalls konnten Lisa (bekannt aus „The students are there“) und ich manchmal mit Lisas Mama, der Michi, im Auto mit nach Hause fahren, wenn sie zur selben Zeit Schulschluss hatte wie wir (sie ist Lehrerin an der HAK Vöcklabruck). Überhaupt kann man unsere Oberstufenzeit als „Autozeit“ bezeichnen, denn wir hatten das Fortgehen für uns entdeckt, und ob des schleißigen Anschlusses unserer Wohnorte an das öffentliche Verkehrsnetz, besonders an Wochenenden, „musste“ sich immer eine Mutter oder ein Vater erbötig machen, uns zu nachtschlafener Uhrzeit in Vöcklabruck abzuholen, bis wir unsere Führerscheine hatten.

Lisas Papa, der Wolfi, ist ein Hippie wie er im Buche steht, mit profunder Blumenkinderkenntnis, einem breiten Ensemble an Snoopy-Shirts und einem facettenreichen Repertoire an selbst gebrannten Mix- CDs aller gängiger Siebziger- und Achtziger- Rocknummern, mit denen er uns auf unseren nächtlichen Fahrten durch den Bezirk die Musik näherbrachte, die zumindest für meinen weiteren Lebensweg immer einen Fixplatz im Erinnerungszentrum meines Hirns einnehmen sollte.

Jedenfalls, wenn Lisas Mama oder Papa dran war, uns irgendwo aufzuklauben (DANKE an dieser Stelle!), lief oft eine bestimmte Mix- CD im Autoradio, und das erste Lied auf dieser CD war nun mal „Lady in Black“ von Uriah Heep. Irgendwann dürfte ich kundgetan haben, wie sehr mir dieses Lied gefällt; von diesem Zeitpunkt an schoben es Lisas Mama oder Papa JEDES MAL in den CD-Player, wenn sie uns irgendwo abholten, weshalb es nicht nur einmal vorgekommen ist, dass Michi oder Wolfi samt ihrer angeschickerten Fracht laut singend die kurvenreiche Nacht durchpflügten.

7.) Adriano Celentano – Azzuro

Ich kann mir vorstellen, was ihr jetzt wahrscheinlich denkt – UND ES IST MIR SCHEISS EGAL.

Zu diesem Lied gibt es insofern einen besonderen Bezug, weil er zu einem unerwarteten Anlass von einer unerwarteten Person kam.

2016 war bekanntermaßen die Fussball- EM, und nach ewigem Hin und Her kam es zum Entscheidungsspiel Deutschland gegen Italien. Ich lasse mich manchmal von den Kapriolen der eingefleischten Fußballfans anstecken, und da man aus mehrfach bekannten und bewiesenen Gründen zu Österreich nicht halten kann, helfe ich immer zu Italien – obwohl ich mich kaum auskenne.

An dem Abend, als das Spiel stattfand, hatte ich Dienst in unserer Bar, dem Graffiti, das es leider seit einem Jahr nicht mehr gibt. Mein Chef und unsere Freunde sind eingefleischte Fussballfans, schauen alles, wurscht ob südsudanesischen Unterligafußball oder DFB-Cup, und letzten Sommer war es so, dass die „großen“ Spiele im Graffiti  auf unserem einzigen Fernseher übertragen wurden. Ohne Ton und mit hängendem Livestream verfolgten wir also unter viel Fluchen und Schimpfen und Jägermeister die Entscheidungsspiele, und an besagtem Abend war wie gesagt die Partie Deutschland- Italien dran.

Ich kann nicht allzu weit ausholen, da die gesamte Ausführung meiner überbordenden Abneigung gegen deutschen Fussball sonst den Rahmen sprengen würde, jedoch kann ich soviel sagen: meine Empfindungen diesbezüglich sind eine homogene Masse aus Ablehnung von so viel unbegründeter Shootingstar -Arroganz und Fremdschämen im Bezug auf die Fans, die sich trotz ihrer verkümmerten Testikel und wenig beanspruchten Gehirne für die Größten halten. Die Deutschen nehmen gerne die Leistung eines Einzelnen und verkaufen sie als Produkt der Gesamtheit; „Wir sind Papst“ ist nur eines aus sehr vielen, sehr traurigen Beispielen.  Fußball- Deutschland und seine Fans rangieren auf Platz 3 meiner unumstößlichen Abneigungen, nur übertroffen von Andreas Gabalier und der FPÖ. Wer sich auf dieser Liste findet, kann sich dessen gewiss sein, dass wir in diesem meinem Leben mit Sicherheit keine Freunde mehr werden.

Wenns also gegen Fußballdeutschland geht, würde ich sogar zu Kuala Lumpur oder St. Radegund helfen. Zu wem ich halten würde, wenn eine Mannschaft aus elf Gabaliers mit dem Strache als Trainer gegen Deutschland spielen würde, muss ich mir allerdings mal überlegen.

Das Lokal füllte sich gemächlich, und alle Fans aus beiden Lagern hingen gebannt am Bildschirm. Als es zum Elfmeterschießen kam, hätte man eine Stecknadel fallen hören, so gespannt hielten alle den Atem an. Auch ich kam meiner Tätigkeit, der triefäugigen Horde von Barbaren, von denen manche noch nicht einmal „Bitte“ und „Danke“ für ihren beschränkten Wortschatz aquirieren konnten, Getränke zu kredenzen, nur mehr sehr sporadisch nach.

Ich hatte einen Bekannten, der sein Rampensauleben mit jeder Faser seines Körpers auslebt, und der war a.) Deutscher, b.) gerade auf der Fanmeile und c.) nicht auszudenken, wenn Deutschland gewinnt, er die Stiegen in die Bar runterkommt und auf der obersten Stufe schon anfängt rumzubrüllen, wie toll „seine“ Recken nicht den Sieg erstritten haben. Soviel blasierten Pathos ertrage ich nach wie vor nur in homöopathischen Dosen, ergo hoffte ich weiter mit überkreuzten Fingern vor mich hin, dass er entweder nicht erscheinen oder- noch besser- dass Deutschland doch bitte verlieren möge, dann müsste ich mir nämlich das Geschwafel von Liebe und Zusammenhalt und Stärke und Brüderlichkeit nicht anhören, das er sich so gerne auf die Fahne schreibt und das aber nicht immer wirklich zu seinem sonstigen Habitus passt.

Wie jeder weiß, hat Italien beim Elfmeterschießen verloren, und ich habe mich unmittelbar nach dem Spiel von meinen Träumen und Hoffnungen verabschiedet und sie auf einem doppelten Vodka- Bull mit einem Jägermeister als Beilage seebestattet.

Der Lärmpegel schwoll wieder an, die Leute diskutierten und feierten und trauerten, und es war allgemein eher laut, und ich war schon wieder dabei, mich geistig für den Ansturm an Deutschlandfans zu wappnen, bis ich hörte, was unmittelbar nach dem Schlusspfiff aus unseren lokaleigenen Boxen knallte, und zwar in voller Lautstärke:

„Cercho l‘ estate tutto l‘ anno e all’improvviso eccola qua…“

In diesem Moment, ehre schwöre, verfiel ich KOMPLETT.

Unser DJ, seines Zeichens mein ehemaliger Gitarrist, spielte mir TROTZ Deutschland- Sympathie und TROTZ des Deutschland- Sieges ungefragt die inoffizielle Italien- Hymne! Es gab unmittelbar darauf tosenden Beifall von den Italienfans, eine fette Umarmung und einen Jägermeister von mir, und den restlichen Abend ertrug ich mit stoischer Gelassenheit, da er mir eins der unerwartetsten Geschenke gemacht hatte, die ich jemals bekommen hab. Seither denke ich bei „Azzuro“ IMMER an diesen einen Abend damals im Graff.

6.) Ted Nugent – Cat Scratch Fever

Mit oben beschriebener Horde, die auch eine Band sind, war ich 2013 auf einer kleinen Deutschland- Tour; unter Anderem führte uns unser Weg nach Wiesbaden, Mainz, Essen und Aschaffenburg (die genaue Reihenfolge weiss ich leider nicht mehr).

Wir hatten einen eher straffen Zeitplan, um von A nach B zu kommen, und drei geliehene Autos, die alle drei am selben Tag irgendein technisches Gebrechen aufwiesen: bei einem bekam man nur noch den dritten Gang rein, einem anderen ging die Batterie aus und irgendwann fiel auch noch bei einem der Innenspiegel ab. Jedenfalls lief die Tour in Anbetracht der technischen Gebrechen und zwischenmenschlichen Bedürfnisse nicht ganz so reibungslos ab, wie es wünschenswert gewesen wäre, aber ich weiß auch noch, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt selten so viel Spaß mit einem wüst zusammengewürfelten Haufen Leute hatte, die sich samt Equipment und Gepäck in kleine Autos quetschten, den lokalen Bier- und Apfelweinspezialitäten im Übermaß zusprachen und immer dieselben paar Lieder hörten, die sich auf einem USB- Stick befanden.

Die jeweilige Besatzung der Autos blieb nie wirklich gleich, wir wechselten immer durch, weshalb jeder mal Ted Nugent zu hören bekam, meistens gleich ein paar Mal, weil sich die Länge der Musikstücke auf dem Stick und die Länge der zurückzulegenden Strecke im Nachhinein als doch nicht deckungsgleich erwies.

Irgendwann, ich glaube, dass es in Wiesbaden oder Mainz war, hatten wir also alle einen ausgewachsenen Ohrwurm davon; jeder summte oder sang es zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten und steckte alle anderen damit an. Irgendwo parkten wir auf der obersten Etage eines Parkhauses, von wo wir das Equipment, die Instrumente und das Gepäck dann im Stiegenhaus runterschleppen mussten. Da wir genug Leute waren, klappte das eigentlich ganz gut, jeder schnappte sich ein Trum und der Gänsemarsch setzte sich in Bewegung, das Stiegenhaus hinunter – bis einer zu singen anfing:

„They give me cat scratch fever – DA DA DAAA

Cat scratch fever – DA DA DAAA …“

Alle stimmten ein, und so zogen wir singend wie die Bremer Stadtmusikanten durch das Stiegenhaus und dem Ausgang zu, wo uns ein älterer Herr entgegenkam, der unseren vordersten Mann anhielt und freundlich fragte:

„Sind Sie ein Orchester?“

Bei diesem Lied erinnere ich mich immer gerne an unseren Deutschland- Trip, und muss immer grinsen, wenn ich an dieses Anekdötchen im Stiegenhaus zurückdenke.

 

5.) Israel Kamakawiwo’ole – Somewhere over the rainbow

Ein schönes Lied, das wohl auch jeder kennt, und eine der schönsten Erinnerungen an eine tolle Hochzeit.

Es war das „Einzugslied“ auf der standesamtlichen Hochzeit meiner ehemaligen Unikollegin und mittlerweile eine meiner besten Freundinnen, Niki, die ihren Freund Stephan, in der Villa Vita im Burgenland geheiratet hat. Ihnen verdanke ich diesen Blog.

Das Lied fing an zu laufen, als Niki aus der Kutsche stieg- UND ES HACKTE. Die ganze Zeit brach es ab und ging wieder weiter, woran es lag weiss ich nicht, aber es tat der Situation in ihrer Gesamtheit keinen Abbruch und sorgte für eine noch präsentere Erinnerung.

Einmal, als ich im Auto auf dem Heimweg war, lief das Lied im Radio, und ich habe, fahrlässig wie ich nun mal bin, den Audiorekorder meines Handies betätigt, um es aufzuzeichnen und Niki zu schicken, die gerade beim Abendessen saß.

4.) Die Toten Hosen – Tage wie diese

Hierzu gibt es zwei Erinnerungen, eine Schöne und eine völlig Durchgeknallte, und die beiden Erinnerungen haben interessanterweise überhaupt nichts miteinander zu tun.

Die Erste ist Lisas Hochzeit, wo ein Elvis- Imitator dieses Lied gesungen hat und ich Rotz und Wasser geplärrt hab vor lauter Schön.

Und die Zweite betrifft das Donauinselfest im Sommer 2015 (keine Gewähr auf Richtigkeit des Jahres – könnte auch 2014 gewesen sein).

Wie jeden Donauinselfest- Sonntag grundelten wir vor der SJ- Bühne herum, weil da den ganzen Nachmittag Metal am Programm stand, bis mein langjähriger Kumpel Mike und ich zu späterer Stunde die Idee hatten, noch ein bisschen weiterzuziehen und die anderen Bühnen abzuklappern. Ich glaube, mich zu erinnern, dass unser eigentliches Ziel die Schlagerbühne war, wo wir uns in weinseliger Stimmung immer so ein bisschen am schunkelnden Publikum delektierten. Zwei Kumpels begleiteten uns, wir waren allesamt nicht mehr ganz nüchtern und befanden uns in frappierend naiver Unkenntnis dessen, was uns in Kürze noch erwarten sollte.

Als wir genug herumgeblödelt hatten, entdeckte ich ein Tagada – jenes sich in schüttelnd-kreisenden Bewegungen auf- und abbewegende Gefährt zur kurzweiligen Erheiterung von Kindern und Jugendlichen, und ich war recht schnell Feuer und Flamme dafür, da eine oder mehrere Fahrten mit dem Tagada für Lisa und mich jeden Oktober unseres bisherigen Lebens den Höhepunkt des Schörflinger Kirtags bildeten.

Es bedurfte eines gewissen Maßes an Überzeugungsarbeit, meine Begleiter zu einer Fahrt zu überreden, aber schon bald darauf hatten wir unser Geld zusammengekratzt, Fahrchips gelöst und befanden uns mitten im fragwürdigen Hin und Her und Auf und Ab und Kreuz und Quer des Fahrgeschäfts, was ein Heidenspaß war, weil wir uns wie die Oberchecker hinstellen, umfielen und uns wie Ertrinkende aneinander festklammerten, bis uns vor lauter Lachen die Puste ausging.

Ich glaube, jeder kennt so Momente, in denen einfach alles zusammenpasst: der Pegel, das Wetter, die Leute und die Tätigkeit. Und in so einem Moment fand ich mich, während ich an Mikes Bein hing, der seinerseits zeternd am Haltegriff hing, während M. bleichgesichtig an mir vorbeirollte und D. schon unter einem Haufen anderer Leute begraben war, und „Tage wie dieser“ aus den Boxen des Fahrgeschäfts dröhnte.

Klingt scheiss kitschig, ich weiß. Ist auch sonst nicht meine Art. Aber solche Momentaufnahmen sind zu selten, um sie in Vergessenheit geraten zu lassen.

3.) Kanui& Lula – Oua Oua

Erinnert ihr euch noch, vor sicher 15 Jahren, an die „Maxx“-Werbung mit dem Typen und der Taube? Nicht? Youtube schafft Abhilfe.

Dieses Lied ist eines der zuverlässigsten Gute- Laune-Lieder und mit ein Lieblingslied von meinem Vater, dem Leo. Letztes Jahr haben wirs sogar zu Weihnachten gespielt 🙂

2.) Journey – Don’t stop believing

Zu diesem Lied gibt es mehrere signifikante Erinnerungen, allerdings immer mit demselben Rudel.

Dieser Freundeskreis, abseits des Graff, setzt sich aus den unterschiedlichsten Persönlichkeiten zusammen, die aber eines gemeinsam haben: dem vollkommen selbstvergessenen Mitbrüllen zu dem Besten, das die Achtziger zu bieten haben, und das kommt auf so ziemlich jeder größeren Zusammenkunft vor.

Die beste Geschichte im Zusammenhang mit diesem Lied ist allerdings Silvester 2016, auf der Hausparty meines besten Freundes Panzer, der in Deutsch- Wagram haust.

An diesem Abend lief eine Art Achtziger- Wunschnacht auf Radio 88,6, wo wir mehr als einmal anriefen, um unsere trunkenen Musikwünsche kundzutun, einmal sogar durchkamen und live „on air“ waren (falls jemand zufällig an Silvester Radio gehört hat, wir waren die Grillfeier aus Deutsch- Wagram), als wir uns „Neverending story“ von Limahl wünschten. Der Wunsch kam von mir, und mir fällt beim besten Willen nicht mehr ein, wieso ich von allen zur Disposition stehenden Liedern auf dem Erdenrund ausgerechnet dieses ausgewählt habe, aber sie haben es gespielt und es war lustig.

Zu späterer Stunde, aber immer noch irgendwann vor Mitternacht, standen wir im verschneiten Garten und plauderten, als uns auffiel, dass Panzer sich schon geraume Zeit nicht mehr hatte blicken lassen. Just in dem Moment kam M. aus dem Haus und verkündete mit Grabesmiene, dass das Erdgeschoss unter Wasser stehe und wir jetzt erst mal aufwischen müssten.

Einleitend muss man dazusagen, dass die Leitungen in dem Haus himmelalt waren, und Panzer schon untertags bemerkt hat, dass es das Abwasser im Abfluss der Dusche raufdrückt, wenn man die Klospülung betätigt, aber was kannst denn an Silevster groß machen, außer das untere Klo für Sperrgebiet zu erklären, die Mädels im Obergeschoss aufs Klo gehen zu lassen und die Burschen zu bitten, ausserhalb des Grundstücks ins Gebüsch zu pinkeln?

Offenbar hatte sich während unseres Aussenaufenthalts die Lage verschlimmert, und das Abwasser hatte sich auch ohne Zutun der unteren Klospülung seinen Weg in die Dusche und damit durchs Bad ins Vorhaus und die Küche gebahnt, weshalb der Panzer die letzte Stunde schon mit Fluchen und Wischen beschäftigt war, bis M. uns ins Bild gesetzt hatte.

Wir packten also einen Haufen Bierdosen und den Baustellenradio ein und begaben uns aufs feuchte Schlachtfeld.

Meine Freundin Chucky sagt gern, dass Firmen sonst einen Haufen Geld für „Teambuilding- Activities“ raushauen, was wir völlig umsonst hatten, denn im Nu waren die Kompetenzen verteilt und rund zehn Leute, barfuss und auf Socken, wischten das Pipiwasser im Erdgeschoss auf und anschließend nochmal trocken hinterher, während auf 88,6 die Rocknacht lief und wir uns die Stimmung auch nicht von Pipiwasser verderben ließen. Als wir schon recht fertig waren und sich die ersten wieder auf die Terasse verfügten, damit es im Inneren des Gebäudes nicht zu Menschenstau kam, schallten aus dem Radio die ersten Takte von Journey, was unser rationales Denken außer Kraft und den Mitbrüll-Modus aktivierte.

Mit nassen Füßen hingen wir einander im Kreis in den Armen und hüpften und brüllten, dass wir von der Ferne wie eine Integrationsgruppe von der Lebenshilfe ausgesehen haben müssen.

1.) Sam&Dave – Soul Man

Diese Erinnerung ist mein Platz 1, da sie die Kostbarste ist und mitunter eines der frühesten Dinge, an die ich mich überhaupt erinnern kann.

Wie manch einer weiß, ist mein Bruder Gernot 15 Jahre älter als ich, was dazu geführt hat, dass wir eigentlich nicht miteinander aufgewachsen sind. Als ich drei war, ist er zum Bundesheer gegangen und hat anschließend in Leoben Erdölgeologie studiert. Ich habe mich immer gefreut, wenn er zuhause war, auch wenn es wahrscheinlich nicht zu den innigsten Passionen eines Zwanzigjährigen gehört, sich mit seiner kleinen Schwester zu beschäftigen, aber er hat das immer getan.

Ich weiß noch, dass er immer sehr laut Musik gehört hat, wenn er zusammengepackt hat. Da bin ich manchmal in sein Zimmer gekommen und er hat vor sich hingesungen und -getanzt. In seinem Zimmer war so ein Läufer in bunten Farben, der nicht fix montiert war und auf dem man super herumrutschen konnte, was er zu meiner großen Erheiterung auch oft getan hat und was ich zum Leidwesen unserer Mutter auch bald gelernt habe.

Jedenfalls brachte er mir zu „Soul Man “ das „Grooven“ bei. Ich hoffe, ich kann es einigermaßen anschaulich beschreiben: als „grooven“ bezeichneten wir die Bewegungsabfolge, die entsteht, wenn man sich die linke Hand aufs linke Knie legt, die rechte Hand aufs rechte Knie, die Knie anschließend zusammenführt, die Hände übereinanderschiebt, sodass die linke Hand am rechten Knie liegt und die rechte Hand am linken Knie, und anschließend die Knie wieder auseinanderdrückt. Das Ganze natürlich in schneller Abfolge.

Ich glaube, da war ich fünf oder sechs, als ich dann schon wusste, was kommt, wenn der Gernot gefragt hat: „Kannst du grooven?“

 

Das ist meine persönliche Hitliste an Allroundern, und ich bin froh, sie mal verschriftlicht zu haben. Dazu habe ich die entsprechenden Lieder gehört, gegrinst und mich daran erfreut. Möget auch ihr euch weiterhin an meinen literarischen Ergüssen erfreuen!

 

 

 

 

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